Verschiedene Länder, verschiedene Geschichten und doch ein Ziel

Träume und Hoffnungen der Schüler des Pflegehelfer-Vorkurses

Im digitalen Klassenzimmer des EPH Vorkurses der Johannes Grande Fachschule für Heilerziehungspflege der Barmherzigen Brüder gibt es ein gutes Miteinander.

Turbulent geht es zu im Online-Unterricht. Jeder möchte etwas von sich erzählen, hat Fragen oder ein Anliegen. Eines fällt in dem Stimmengewirr jedoch sofort auf: Der Respekt im Umgang miteinander. Das Miteinander. Zugegeben, eine oft bemühte Floskel und manchmal auch Wunschdenken, aber hier im digitalen Klassenzimmer des EPH Vorkurses der Johannes Grande Fachschule für Heilerziehungspflege der Barmherzigen Brüder und der Berufsfachschule für Pflege der Franziskanerinnen Aiterhofen, deutlich spürbar.    

Michaela, 51 Jahre und aus Tschechien, sitzt in Mitten „ihrer Jungs“ und fühlt sich sichtlich wohl. Sie ist dieses Jahr die einzige Frau im Kurs. Nicht nur im Präsenz-  sondern auch wie jetzt im Digitalunterricht, ist sie so etwas wie die „Klassen Mama“, kümmert sich um ihre Kameraden. Sie hat immer ein offenes Ohr für alle und wenn es sein muss, hilft sie sogar mit einer, extra von zu Hause herbeigeschafften, Luftpumpe fürs Fahrrad aus. Dabei ist dies nicht selbstverständlich, denn die kulturellen und auch sonstigen Unterschiede sind groß.  

Aus acht verschiedenen Ländern kommen die Schüler des diesjährigen Kurses. Jeder dieser zwölf Schüler bringt eine eigene, bewegende Geschichte mit von Flucht und Schicksalsschlägen. Aber auch von Hoffnung, Zuversicht, von Tatendrang und dem unbändigen Wunsch vorwärts zu kommen, anderen Menschen zu helfen. Auch um etwas zurückzugeben von dem, was sie hier an Unterstützung erfahren haben.  

„Ich habe Menschen mit Beeinträchtigung gern. Ich möchte helfen, damit sie ein gutes Leben haben“ so Oumar. Er kommt aus Sierra Leone und betreute schon dort seinen beeinträchtigten Cousin. „Bei uns zu Hause gibt es so viele Menschen mit Behinderung, viele Kriegsversehrte“, so Mohammad T., ebenfalls aus Sierra Leone. „Leider wird mit diesen nicht so gut umgegangen wie hier. Ich bin so erstaunt, was man alles tun kann für diese Menschen“.  

Ammar, sonst ein ernster, in sich gekehrter Schüler, erzählt mit leuchtenden Augen wie er Schritt für Schritt Kontakt aufgenommen hat mit einem jungen Mann, der ihm allmählich Vertrauen entgegengebracht hat. „So eine schöne Erfahrung“, meint er. „Das ist was fürs Herz“.  

Michaela denkt auch darüber nach, wie es ihr selbst wohl mal ergehen könnte im Alter. „Ich möchte auch mal eine gute Pflege und Unterstützung haben. Aber zuerst möchte ich das für andere tun.“  

Mostafa aus Afghanistan machte bisher noch keine Erfahrung im sozial- pflegerischen Bereich, nutzte dieses Jahr um sich zu orientieren, welchen Weg er in Zukunft beruflich einschlagen möchte. Mithilfe des integrierten Praktikums konnte er feststellen, dass ihm die Arbeit mit Kinder außerordentlich gut gefällt. „Die Kinder mögen es, wenn ich aus meinem Heimatland erzähle und welche Spiele ich gespielt habe“, so Mostafa.  

„Ich möchte weiter lernen, immer weiter. Und mein Deutsch ist dieses Jahr viel besser geworden. Die anderen Fächer wie Medizin und Psychologie sind so interessant. Manchmal schon etwas schwierig, aber so interessant. Wir lernen hier auch viel über Deutschland und wie alles funktioniert“, so Oumar.  

Für die meisten von ihnen geht es nach dem erfolgreich absolvierten Schuljahr weiter, ob in der Altenpflegehilfe in Aiterhofen oder in der Heilerziehungspflegehilfe der Barmherzigen Brüder in Straubing, deren Ziel es ist, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, aber auch ihren Teil für eine gelungene Integration beizutragen.    

Auf die Frage, was diesen Kurs für sie so besonders macht, meint Mohammad B.: „Wir sind alle Brüder hier - und mit einem Augenzwinkern - okay, eine Schwester.  Wir haben alle das gleiche Ziel. Wir möchten lernen, anderen helfen und ein Teil dieser Gesellschaft werden“.  

Die letzte meiner Fragen geht in dem Stimmengewirr unter. Eine intensive Diskussion über die optimale Unterstützung pflegender Angehöriger ist in vollem Gange. Neben meinem Erstaunen, über welche Themen sich die Schüler Gedanken machen, schnappe ich noch eine Aussage auf: „Ich bin froh, hier lernen zu können, wie ich am besten unterstützen kann. Ich werde das bestimmt mal gut und richtig machen.“ Davon bin ich überzeugt.  

Daniela Wrona-Dittrich  

Information: Zum bereits fünften Mal beginnt im September das neue Schuljahr für die sogenannte „Einjährige Erweiterung der Pflegehelferausbildung“. Dieser Vorkurs, in Kooperation mit der Berufsfachschule für Pflege der Franziskanerinnen Aiterhofen, bereitet Asylbewerber und ausländische Bewerber auf die Heilerziehungspflegehilfe bzw. die Altenpflege-Krankenpfleghilfe vor. Interessenten können sich gerne informieren bei Marco Schleicher und Daniela Wrona-Dittrich, Johannes Grande Fachschule für Heilerziehungspflegehilfe der Barmherzigen Brüder Straubing, Tel. 09421/978- 601.

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